Wettlauf in Sao Paolo: Auch für das Stadion läuft der WM-Countdown

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Der Blick auf die Uhr verrät den sehnsuchtsvoll wartenden Fußballfans, dass sie sich bis zum Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien gerade einmal noch etwas mehr als 48 Stunden gedulden müssen. Während längst auch die beiden Teams dem ersten Duell der WM bestens vorbereitet entgegenfiebern, gilt es nun lediglich, überdies das Stadion rechtzeitig fertigzustellen.

Ausgerechnet die Arena de Sao Paolo, auf die am Donnerstag die Augen der Welt gerichtet sein werden, stellt sich im Vorfeld des großen Fußallfestes als brasilianisches Pendant zum Berliner Pannenflughafen heraus: Zwar haben sich die Bauarbeiten im Stadtteil Itaquera bislang nur um vergleichsweise bescheidene sechs Monate verzögert; im Gegensatz zu so manchem deutschen Großprojekt lässt sich die Eröffnung des WM-Stadions jedoch leider nicht auf unbestimmte Zeit in die Zukunft verschieben. Wenn in zwei Tagen die Anhänger der Selecao zu Tausenden das Bauwerk okkupieren, dürften sich deshalb noch etliche Arbeiter unter den Zuschauern befinden – und ausgerechnet die VIP-Besucher könnten bis zum Anpfiff ein ungewohntes Bohren und Hämmern zu hören bekommen.

Arena_Corinthians_West_Building

Die Arena de Sao Paulo oder Arena Corinthians hat bereits 6 Monate Bauverzögerung und wird auch zum Eröffnungsspiel am 12. Juni nicht ganz fertig sein

 

Es droht die unfreiwillige Renaissance der Stehplätze

Schließlich werden die fleißigen Helfer bis zur buchstäblichen allerletzten Sekunde damit beschäftigt sein, die noch fehlende Bestuhlung in Bereich der Ehrentribüne zu ergänzen; darüber hinaus wurde auch im „normalen“ Zuschauerbereich bislang nicht für jeden Kartenbesitzer eine Sitzgelegenheit zur Verfügung gestellt. Um dies rechtzeitig zu ändern, wird nun von hunderten Bauarbeitern auch die Nacht zum Tage gemacht, wie ein dennoch optimistisch in die Zukunft blickender Bauaufseher nicht ohne Stolz zum Besten gibt: „Wir haben mehr als 300 Arbeiter, die 24 Stunden am Tag arbeiten, um fertig zu werden“.

Die Hundertschaften müssen sich in den kommenden Stunden allerdings nicht nur der ordnungsgemäßen Bestuhlung widmen, auch zahlreiche Ausbesserungsarbeiten halten die Handwerker in Sao Paolo bis zum Beginn der Weltmeisterschaft in Schach. So gilt es vor allem, an „schlecht verarbeiteten Stellen“ das Unfallrisiko für die Stadionbesucher zu minimieren – nachdem es im Zuge der Bauarbeiten bereits im vergangenen Herbst durch einen umstürzenden Kran zu einer Katastrophe mit zwei Todesopfern kam, soll die Arena künftig schließlich nicht auch noch mit weiteren Negativschlagzeilen von sich reden machen.

 

Was lange währt…

Doch wenngleich in der baldigen Heimstätte der Corinthians derzeit offenbar vor allem das Chaos regiert, wird das Stadion zumindest nicht gänzlich unerprobt seiner weltmeisterlichen Feuertaufe unterzogen; schon am 19. Mai hatte der ortsansässige Fußball-Klub mit einer abgespeckten Eröffnungsfeier vor 36.000 zugelassenen Zuschauern die damals nur halbfertige Arena eingeweiht. Das ursprünglich für die WM vorgesehene Kontingent von 68.000 Besuchern wurde kurz darauf um einige tausend Plätze reduziert: Angesichts der noch immer laufenden Bauarbeiten stellt sich diese aus Sicht vieler Fans ziemlich bittere Entscheidung im Nachhinein als goldrichtig heraus.

Die regelmäßigen Pannen bei der Stadion-Fertigstellung führen allerdings nicht dazu, dass das Eröffnungsspiel in Gefahr geraten könnte: Würden die Brasilianer dem WM-Auftakt im Notfall vermutlich selbst auf einer notdürftig abgesicherten Baustelle über die Bühne bringen, darf ohnehin damit gerechnet werden, dass auf den letzten Metern dann doch noch irgendwie alles zusammenpasst. Immerhin hatten sich die Meldungen über Bau-Verzögerungen am deutschen WM-Quartier im Vorfeld ganz ähnlich dramatisch angehört – als am Sonntagmorgen aber erst einmal die Stunde des Einzugs gekommen war, stellte sich lediglich die Anreise ins „Paradies“ als tückische Angelegenheit heraus.

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