Der deutsche WM-Kader steht: Genügt er auch höchsten Ansprüchen?

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Bis zum letzten Tag der Meldefrist gab Joachim Löw den deutschen Nationalspielern Gelegenheit, sich mit Trainingsfleiß und Mannschaftsgeist für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu empfehlen: Die am Montag vorgenommene Nominierung des endgültigen WM-Kaders hielt dann für Kevin Volland, Marcel Schmelzer und Shkdoran Musatfi eine Enttäuschung bereit.

Durm verdrängt seinen Vereinskameraden

Deutsche-Nationalmannschaft

Miroslav Klose zählt zu den unumstrittenen Fixgrößen im deutschen Team. (c) Paul Blank

Trotz der frühzeitigen Verletzung von Lars Bender hatte von vornherein festgestanden, dass es nach dem Trainingslager in Südtirol sowie dem sonntäglichen Testspiel gegen Kamerun noch drei hoffnungsvolle Spieler erwischen muss: Mit dem auf den letzten Drücker ausgebooteten Trio hat es nun allerdings auch gleich zwei Akteure erwischt, die zunächst nicht zu den ganz großen Streichkandidaten zu zählen waren. Während der Hoffenheimer Volland schon allein aufgrund der mageren personellen Ressourcen im Angriff als sicherer Brasilien-Fahrer galt, schien der Dortmunder Schmelzer sogar einem Stammplatz auf der linken Abwehrseite nahe zu sein – lediglich der junge Mustafi dürfte sich vermutlich bereits seit etwas längerer Zeit auf einen freien Sommer eingerichtet haben.

Auf die noch mehr oder weniger in den Anfängen steckenden Karrieren nahm dann auch der Bundestrainer Bezug, als er seine Personalentscheidungen am Montag öffentlich kommentierte: „Natürlich sind Shkodran, Marcel und Kevin nun sehr enttäuscht. Ich verstehe das, auch sie hatten berechtigte Hoffnungen, in Brasilien dabei zu sein. Hansi Flick und ich haben den Spielern die Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. Alle drei sind Spieler, die in ihren Karrieren noch die Möglichkeit haben, einige große Turniere zu spielen.“

Könnte dieser Trost bei den DFB-Neulingen Volland und Mustafi tatsächlich verfangen, dürfte sich der 26-jährige Schmelzer fast schon auf das Altenteil abgeschoben fühlen – immerhin wird die BVB-Stammkraft ausgerechnet von dem erst 22-jährigen Vereinskollegen Erik Durm ersetzt. Knüpft dieser bei der WM wunschgemäß an das starke Debüt gegen Kamerun an, droht dies seinem „Vorgänger“ auch künftig die Rückkehr in die Nationalelf zu verbauen.

 

Zahlreiche Problemfälle gehören zu den „Top 23“

Letztendlich ist eine Kniereizung dafür verantwortlich, dass Schmelzer den fest eingeplanten Höhepunkt in Südamerika verpasst: Nachdem der 16-fache Nationalspieler im zu Ende gegangenen Trainingslager nur eingeschränkt trainieren konnte, wollte Löw auch mit Blick auf die zahlreichen anderen Wackelkandidaten im deutschen Team offenbar wenigstens auf der linken Außenbahn auf Nummer sicher gehen. Mit den angeschlagenen Neuer, Lahm und Schweinsteiger sowie den sichtlich noch nicht in WM-Form befindlichen Özil, Khedira und Klose ist der Bedarf an Sorgenkindern angesichts des nunmehr unmittelbar bevorstehenden WM-Starts in der Tat im Übermaß gedeckt – wenngleich der Bundestrainer gerade auch diesen „Problemfällen“ demonstrativ den Rücken stärkt.

„Von allen Spielern bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Wir haben die richtige Mischung aus vielen jungen und hochbegabten Fußballern und Spielern mit viel Turniererfahrung, die wissen, worauf es ankommt. Unser Kader ist ausgewogen, jede Position ist doppelt besetzt. Unsere Spieler haben Charakter, die Mannschaft hat Charakter. Mit diesem Kader fliegen wir selbstbewusst nach Brasilien, wir haben dort große Ziele“, zeigte sich Löw am Montag mit der selbstgetroffenen Wahl zufrieden:

Dennoch kann sich hier durchaus auch der Eindruck ergeben, dass sich das deutsche Team mit den 23 WM-Reisenden um einen erheblichen Teil seiner taktischen Flexibilität beraubt. Da sich mit dem „Turnier-Spieler“ Klose nämlich der einzige waschechte Stürmer in einer ungewissen Verfassung befindet, scheint die DFB-Elf in der Defensive fortan auf Gedeih und Verderb auf die falsche Neun festgelegt zu sein, die sich zumindest im Testspiel gegen Kamerun nur stellenweise bewährte.

 

Die Viererkette bleibt die Achillesferse

Während sich dafür das Mittelfeld bestens bestückt zum Turnier an den Zuckerhut begibt, könnte demnächst auch die Viererkette mit personellen Engpässen zu kämpfen haben: Sollte Kapitän Lahm nämlich in das Mittefeld vorgezogen werden, dürfte als potentieller Vertreter für die beiden Außenseiter nur der planungsgemäß in der Innenverteidigung tätige Jerome Boateng in Frage kommen. Nachdem dieser zuletzt jedoch schon gegen die afrikanischen Löwen auf der linken Seite mit Licht und Schatten agierte, scheint der Münchener auf den alternativen Positionen eher ein Sicherheitsrisiko darzustellen – ein nicht minder großes Wagnis muss es allerdings bedeuten, die Verantwortung für die Außenbahn einzig und allein dem frischgebackenen Debütanten Durm aufzubürden.

Trotz dieser potentiellen Schwachstellen ist es den 23 auserwählten Hoffnungsträgern aber natürlich dennoch zuzutrauen, in Brasilien eine herausragende Rolle zu spielen: Immerhin darf nicht übersehen werden, dass die personellen Sorgen vor den zurückliegenden Turnieren kaum einmal kleiner waren. So hatte etwa vor der WM in Südafrika der verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Michael Ballack Anlass zu größten Befürchtungen gegeben – und konnte die deutsche Mannschaft schon damals beweisen, dass sie sich über solche Probleme hinwegsetzen kann, sollten es nun auch die Portugiesen im Auftaktspiel am 16. Juni mit einem auf den Punkt vorbereiteten Gegner zu tun bekommen.

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