Brasilien: Geglückte Generalprobe, doch noch sehr viel Arbeit

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Der Confederations Cup 2013 ist bereits wieder Geschichte. Gastgeber Brasilien hat sich in sportlicher Hinsicht bereit dafür gezeigt, bei der WM 2014 ein gewichtiges Wörtchen um den Titel mitreden zu können. Der Sieg bei der WM-Generalprobe ist durchaus verdient, auch wenn Luiz Felipe Scolari noch einige Baustellen zu richten hat. Allerdings weitaus nicht so viele wie im Vorfeld der Mini-WM befürchtet. Mehr Arbeit wartet auf die Organisatoren und vor allem die Politik, die aufgrund der Proteste der Bevölkerung zum Handeln aufgerufen ist.

 

Luiz Felipe Scolari (c) José Cruz/ABr

Brasiliens Nationalcoach zog eine sehr positive Bilanz der WM-Generalprobe, hat aber noch einige Arbeit vor sich.

Das sportliche Fazit

Das sportliche Fazit könnte nicht besser sein. Die acht Teams sind mit allen Top-Stars angereist und haben teilweise hochklassige Partien abgeliefert. Keine Mannschaft ist mit einer B-Elf zu einem „Sommerturnier“ angereist, sondern alle haben den Confederations Cup dazu genutzt, erste Eindrücke über die Bedingungen in einem Jahr zu sammeln. Uruguay hat im Halbfinale gegen Brasilien gezeigt, dass mit ihnen auch bei der WM 2014 zu rechnen sein wird. Der WM-Vierte von 2010 hat den Brasilianern alles abverlangt.

 

Der Gastgeber selbst hat sich sehr gut präsentiert und sich zum dritten Mal in Serie den Konföderationen-Pokal gesichert. Superstar Neymar hat ohne Zweifel seine erste große Bewährungsprobe bestanden. Der Barca-Neuzugang hat fünf Treffer erzielt und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. In der Offensive hat die „Selecao“ keine Probleme, zumal Fred bewiesen hat, dass er die Rolle im Sturmzentrum ausfüllen kann. Zusammen mit Neymar bildet der Fluminense-Spieler ein kongeniales Duo. Die Handschrift von Scolari war bereits deutlich zu erkennen: Das Hauptaugenmerk gilt der Defensive, die sich immer sattelfester präsentiert. So hat zum Beispiel David Luiz eine herausragende Leistung gezeigt, die dem Chelsea-Spieler nicht alle zugetraut hatten. Trotz aller Euphorie warnte Brasiliens Teamchef, seine Mannschaft müsse noch mehr zusammenwachsen, es gebe noch viel zu tun.

 

Auch wenn die Spanier im Finale von Brasilien mit 0:3 abmontiert wurden, ist es noch zu früh, den regierenden Welt- und Europameister für die Endrunde im nächsten Jahr abzuschreiben. Gegen Italien kam die Elf von Vicente del Bosque nur mit Glück weiter, im Finale wurden Pique und Co., die allerdings bereits auf dem Zahnfleisch gingen, ihre Grenzen aufgezeigt. Del Bosque war trotz der Finalpleite mit der Gesamtleistung bei der Mini-WM zufrieden, betonte aber, dass Lehren aus der Niederlage gezogen werden müssen.

 

Italien hat sich im Gegensatz zur Confed Cup-Premiere vor vier Jahren eindeutig verbessert. Schieden die Azzurri in Südafrika bereits nach der Gruppenphase aus, stieß die Prandelli-Truppe bis ins Halbfinale vor, scheiterte dort allerdings mit Pech an den Spaniern im Elfmeterschießen. Doch die Visitenkarte für die WM 2014 ist abgegeben.

 

Während Japan, Mexiko und Nigeria den Erwartungen entsprochen haben, hat die Mannschaft aus Tahiti für den exotischen Touch gesorgt. Der Sensations-Ozeanienmeister hatte die Sympathien der Zuschauer auf seiner Seite. So jubelte das gesamte Maracana-Stadion nach der 0:10-Pleite gegen Spanien nicht dem Weltmeister zu, sondern den Amateurkickern (mit einer Ausnahme) aus dem Südpazifik.

 

Für die Spiele im Maracana-Stadion wurden bisher die meisten Tickets abgesetzt.

Im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro wird am 13. Juli das Finale der WM 2014 steigen.

Das organisatorische Fazit

Die Organisatoren haben den Confed Cup zu einem Testlauf für die Weltmeisterschaft genutzt. In den sechs Stadien, in denen gespielt wurde und deren unmittelbarer Umgebung hat alles im Großen und Ganzen gut geklappt, doch bis zur Weltmeisterschaft müssen alle 12 Austragungsorte WM-fit sein. Die Fertigstellung der übrigen Stadien soll bis Dezember diesen Jahres erfolgen. In einigen Orten wird dem Zeitplan hinterher gehinkt, doch spätestens bis zum Beginn der Weltmeisterschaft am 12. Juni 2014 werden sich die WM-Stadien trotz aller Probleme, im besten Licht präsentieren.

 

Viel größer sind die Probleme bei der Infrastruktur, vor allem den Flughäfen. Flugzeuge werden aufgrund der enormen Größe des Landes das Hauptverkehrsmittel für Teams, Fans und Journalisten sein. In allen 12 WM-Städten muss es einen Flughafen nach internationalen Standards geben, jedoch sind einige Projekte hinter dem Zeitplan. Auch der öffentliche Verkehr bereitet den Organisatoren noch großes Kopfzerbrechen.

 

Das politische Fazit

Neben den Bildern aus den Stadien werden den Zuschauern in aller Welt die Bilder der Demonstrationen auf den Straßen Brasiliens während des Confed Cups in Erinnerung bleiben. Die Demonstranten nutzten das große internationale Interesse, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Ein auslösendes Momentum war die Erhöhung der Fahrpreise im öffentlichen Verkehr der großen Städte.

 

proteste_rio_(c) Tania Rego Agencia Brasil

Bilder, die die FIFA gar nicht gerne sieht: Proteste in Rio de Janeiero während des Confed Cups.

Schnell fand der Unmut über die Milliarden von Real, die in die Prestigeveranstaltungen WM 2014 und die Olympischen Spiele zwei Jahre später, gesteckt wurden und werden und die dahin einhergehende Korruption der Politik Eingang in die Proteste, die immer größer wurden. Das öffentliche Gesundheitssystem krankt ebenfalls. Innerhalb weniger Tage wurde der Unmut der Bevölkerung millionenfach auf die Straße getragen, es kam zu Zusammenstößen mit Polizeikräften. Im Rahmen der Demonstrationen hat es mehrere Tote gegeben.

 

Präsidentin Dilma Rousseff hat zwar ein großes Reformpaket angekündigt, doch auch dies konnte die Situation nicht entschärfen. Die Staatschefin wurde bei der Eröffnung des Confed Cups ausgepfiffen und blieb unter anderem auch deswegen dem Finale zwischen Brasilien und Spanien fern. Nun müssen den Versprechungen auch taten Tolgen, denn sonst wird es auch bei der WM im nächsten Jahr ähnliche Bilder geben – Bilder, die der FIFA gar nicht gefallen werden.

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